WWI-Bericht 2017

Sachstandsbericht 2017

Durchführung eines Monitoring zur Phänologie der Wat- und Wasservögel unter Anwendung der Vogelberingung im Naturschutzgebiet „Dreba- Plothener Teichgebiet“

Jürgen Auerswald

Allgemeines

Herkunft, Phänologie und Zugziele der in Thüringen im Jahreslauf auftretenden Limikolenarten

Nachdem im Vorjahr das Markierungsprogramm für Limikolen durch den Leiter der Vogelwarte Hiddensee, Dr. Köppen für die nächsten fünf Jahre neu definiert wurde, erfolgte die Beringungsarbeit nach den darin geforderten Parametern.

Vor Beginn der Zugzeit wurde der Fangplatz, den der NABU Arbeitskreis Teichgebiet Dreba- Plothen vom Freistaat Thüringen gepachtet hat, durch Wasserstandsabsenkungen  für die Watvögel optimiert. Durch den vorhandenen Nährstoffgehalt in den ehemaligen Güllebecken kommt es bei steigenden Temperaturen auf den frei gefallenen Flächen schnell zur Grünland- Entwicklung. Um den Aufwuchs in der TGA 5 zu minimieren wurde erstmals vor Beginn der Wegzugzeit eine Beweidung mit 8 Zwergzebus erprobt (siehe Foto), wodurch es gleichzeitig zum Nährstoffentzug kommt. Besonders erfolgreich zeigte sich der Verbiss des Breitblättrigen Rohrkolbens und der Teichsegge, Teichbinsen dagegen wurden eher gemieden. Im Sommer kam es in den Übergangsbereichen zum Wasserkörper zur Bildung von Algenwatten, die zusätzlich eine gewisse Wirkung auf anhaltende Staunässe hatten.

Insgesamt gesehen wurde das Ziel der Bereitstellung optimaler Rasthabitate nicht erreicht. Die wenigen Fangergebnisse der Rallen sind deutlicher Beleg dafür. Aus meiner Sicht fehlt es weiterhin an der Bereitschaft der Verantwortlichen, sich ernsthaft mit der kontinuierlichen Wasserversorgung des NATURA 2000 Gebietes und damit der  nachhaltigen Bereitstellung des Feuchtlebensraums von internationaler Bedeutung zu befassen.

Fangzeit

Das Zuggeschehen lag im Frühjahr auf recht niedrigem Niveau. Die Fangperiode begann am 02.05. und endete am 22.05.2017.

Der Wegzug begann Ende Juni mit dem Auftreten der ersten Waldwasserläufer, gefolgt von adulten Bruchwasserläufern und der  Bekassine Anfang Juli. Dieser verlief ohne auffällig starke Truppgrößen, aber kontinuierlich. Die Reusen waren zum Zug ins Winterquartier vom 02.07. bis zum 23.10.2017 aufgestellt. Aus der 114 tägigen Fangperiode resultieren 86 effektive Fangtage. Zum Einsatz kamen 25 Uferreusen.

Phänologie

Der erste Kiebitztrupp mit 88 Ind. auf dem Heimzug rastete bereits am 21. Februar auf dem Grünland unterhalb der TGA und Plothenbachgrund. Weitere  Zugnachweise mit max. 100 Ind. sind in der 1. März-Dekade zu verzeichnen. In diesen Zeitraum fällt auch das erste Auftreten einzelner Bekassinen, gefolgt von einem Waldwasserläufer am 14.04.2017. Erste Durchzügler des Bruchwasserläufers datieren vom 24. April mit 8 Ind. in der TGA.

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Erste Beringungen der Art erfolgten am 02. Mai an dem langjährigen Fangplatz. Da der Durchzug im Frühjahr mit nur kurzen Rastzeiten verläuft wurden bis zum 05. Mai 10 Ind. beringt. Der Wegzug begann am 04. Juli. Das Durchschnittsgewicht der ankommenden Vögel im Teichgebiet Dreba im Juli betrug von  n34 ad. = 66,4 gr.  Das Durchschnittsgewicht auf dem Wegzug  in der Camargue gefangener Bruchwasserläufer betrug 65,1gr (n88), (U. GLUTZ nach Daten von  A. R. JOHNSON, Station biologique de la Tour du Valat).  

 

Phänologie Bruchwasserläufer, Tringa glareola nach der Beringung 2017
Phänologie Bruchwasserläufer, Tringa glareola nach der Beringung 2017
Durchzug des Bruchwasserläufers getrennt nach Alter (n=80)
Durchzug des Bruchwasserläufers getrennt nach Alter (n=80)

Mauser:

Außerdem soll hier über den ersten Nachweis eines Mauservogels berichtet werden.

Ein diesjähriger Bruchwasserläufer blieb durchgängig bis in den Oktober an seinem Fangplatz, letzter Kontrollfang am 23. d.M.

Die nachgewiesene Verweildauer beträgt damit 56 Tage. Die Beringung erfolgte nach der Ankunft am 28. August, da wog der Vogel 59,6 g. Am 26.Sept. erreichte selbiger ein max. Gewicht von 75,4 g. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kleingefiederwechsel begonnen, welche als Teilmauser auf dem Wegzug im August/Oktober aufttreten kann und danach unterbrochen wird. Die sehr verblichenen und abgenutzten Handschwingen ohne Anzeichen einer Mauser bestätigen den von BEZZEL (1985) angegebenen Mauserzyklus. Die Hsw werden im Winterquartier erneuert.

Insgesamt kam es während der Rastzeit des Vogels zu acht Wiederfängen, für die eine kontinuierliche Gewichtsabnahme bis 64,5 g am 19. Okt. belegt ist.

 

 

Bekassine Gallinago gallinago

Von den bisher 43 vorliegenden Beobachtungsnachweisen zum Heimzug (07.03. bis 05.05.) und Wegzug entfallen 35 auf das Gebiet der Kohlung. Frühjahrsfänge sind nicht zu vermelden.

Die ersten vier Bekassinen die dem Heimzug zuzuordnen sind, traten am 07.07. 2017 auf, die erste Beringung erfolgte am 10.07.2017.

Max. wurden am 12.08. fünf Ind. gefangen. Alle Nachweise der Art erreichten keine zweistelligen Werte mehr und bestätigen damit erneut die drastischen Bestandsrückgänge. Zum Zugende im Oktober sah E. Lux  am 17. d. M. 6 Bekassinen (Maximalwert) nahe des Fangplatzes einfliegen und die letzte Beringung erfolgte am 19.10. 2017.

Sechs Bekassinen hatten 12 Schwanzfedern gegenüber der Nominatform, die 14 Schwanzfedern trägt.

Am 08.08.2016 trat eine diesjährige Bekassine mit Schwanzmauser auf.

 

Gewicht

Die Gewichtsentwicklung der juv. zeigt monatlich einen wechselnden Trend.

Dieser lag im Juli bei 97,2 gr, August 90,4 gr. Oktober 96,7 gr (n=14/12/3). Zu ad. ist wegen zu geringer Datenlage keine Aussage möglich. 

 

Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus

Das Vorkommen der Zwergschnepfe war erwartungsgemäß nicht so außergewöhnlich positiv wie im Vorjahr.

Erstmals wurde die Art im Herbst am 14.10.17 in einer Reuse nachgewiesen. Diese kleine Schnepfe war es, die am 21.10. nach 7 Tagen nochmals wieder gefangen werden konnte. Zwischen 21. und 23.10. kam es noch zu vier weiteren Beringungen.

 

Alpenstrandläufer Calidris alpina

Erste 2 Alpenstrandläufer waren am Fangplatz am 09.08. zu sehen, zwei Tage später der erste Fang eines Altvogels. Am 29.09. wurde der 21. Vogel der Art einer Reuse entnommen.

Damit hat sich das Fangergebnis gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Am 15.10.17 noch ein Einzelner mit Flugrufen, den mehrere Beringer  anlässlich einer Exkursion der Fachtagung der Beringungszentrale, die in Jena stattfand und den Limikolen-Fangplatz im Europäischen Vogelschutzgebiet „Plothener Teiche“ (SPA) besichtigten, nachweisen konnten.

 

Knutt Calidris anutus 

Während der bisherigen Durchführung des Reusen-Projekts innerhalb von 21 Jahren trat der Knutt bisher nun zum zweiten Mal am Fangplatz auf und es konnten am 29./30. 08.2017 insgesamt 6 Ind. als bisheriges Maximum beringt werden. Erwähnenswert sind auch die zahlreichen Wiederfänge, die 5 Vögel betreffen. Diese gelangen von einmaligen bis zu 5 maligen Kontrollablesungen eines Knutt.

 

Der Vogel mit der Ring-Nr. NA 132175 wog bei der Ankunft 87,4 gr, zum Kontrollfang 4 Tage später betrug dessen Gewicht bereits 112,7 gr!

 

Flußuferläufer Actits hypoleucos

Der vorjährig höhere Rastbestand hat sich nicht wiederholt, jedoch liegen die 17 Beringungen über dem langjährigen Mittel. In der 1. Aug.-Dekade insgesamt 10 Beringungen von 4 ad./6 dj. Individuen. Von den nur zwei Frühjahrsnachweisen konnte 1 Ind. gefangen und beringt werden.

Der letzte Fang im Herbst datiert vom 25.08.2017.

 

Eigene Langzeitwiederfänge:

 

Die Bekassine NA 189073 wurde am 07.09.2017 am BO kontrolliert. Das Beringungsdatum war am 21.07.2016 , juv., (413 Tage).

 

Eine männliche Wasserralle LA 2536 wurde am 18.05. 2017 nach 305 Tagen am Beringungsort durch E. Lux kontrolliert. Beringt wurde diese Ralle bereits am 17.07. 2016 als Altvogel.

 

Eigene Kurzzeitwiederfänge:

 

Bekassine Gallinago gallinago

Hier liegen 5 Kontrollfänge nach je 1, 2, 2x4 und 8 Tagen vor.

 

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Mehrere Wiederfänge nach je 3x1, 4x2, 6x3, 4x4, 3x7 und 2x11 Tagen.

 

Waldwasserläufer Tringa ochropus

Ein Kontrollfang nach 2 Tagen.

 

Flußuferläufer Actits hypoleucos

Wiederfang 2 ad. Ind. nach je 2 Tagen.

 

Alpenstrandläufer Calidris alpina

Es liegen 16 Wiederfänge vor nach je 3x1, 3x2, 3x3, 2x4, 2x7 und 3x8 Tagen. Ein Alpenstrandläufer wurde einen Tag nach seiner Freilassung an der Beringungsstation 4km NE wieder am ersten Fangort aus einer Reuse genommen.

 

Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula

Aus 11 Beringungen  resultieren je ein Wdfg. nach 7 bzw. 10 Tagen.

 

Zwergstrandläufer Calidris minuta

Wiederfänge nach 2x1, 1x2 und 1x3 Tagen.

 

Wasserralle Rallus aquaticus

Von einer Wasserralle liegt ein Wdfg. nach 16 Tagen am BO vor.

 

Ausländische Wiederfänge:

 

Mit der Ring-Nr. ZN 66658  IFNS OZZANO (Italien) wurde ein ad. Bruchwasserläufer am 04.05.2017 kontrolliert.

 

Einen Kennring aus Polen trug ein Alpenstrandläufer. Der Vogel wurde erstmals am 12.08.2017 kontrolliert und danach mehrfach wieder gefangen.

 

  

 

 

 

Beringungsergebnisse 2017

Art Anzahl
Alpenstrandläufer Calidris alpina 21
Bachstelze Motacilla alba 125
Bekassine Gallinago gallinago 45
Bergpieper Anthus spinoletta 2
Bleßhuhn Fulica atra 11
BruchwasserläuferTringa glareola 97
Dunkler Wasserläufer Tringa erythropus 1
Flußuferläufer Actitis hypoleucos 16
Gebirgsstelze Motacilla cinerea 6
Grünschenkel Tringa nebularia 1
Kampfläufer Philomachus pugnax 4
Kiebitz Vanellus vanellus 2
Knäkente Anas queruedula 3
Knutt Calidris anutus 6
Krickente Anas crecca 14
Mönchsgrasmücke Sylvia borin 1
Rohrammer Emberiza schoeniclus 6
Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula 10
Spießente Anas acuta 1
Stockente Anas plathyrhynchos 40
Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus 2
Temminckstrandläufer Calidris temminckii 1
Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana 1
Wacholderdrossel Turdus pilaris 1
Waldwasserläufer Tringa ochropus 21
Wasserralle Rallus aquaticus 7

Wiesenschafstelze Motacilla flava

59
Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus 5
Zwergstandläufer Calidris minuta 3

 

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 507 Vögel in 29 Arten beringt.

 

Dank

Die Zahl derer, die das zeitaufwändige Beringungsprogramm mit tragen, ist spürbar kleiner geworden. Umso mehr möchte ich den Unentwegten aus Nah und Fern danken, die wieder als Beringungshelfer Unterstützung gaben.

Dr. U. Köppen, Leiter der Beringungszentrale Hiddensee bei einem Besuch am Fangplatz Dreba, 4 km SW, anlässlich des Fachkolloquiums in Jena
Dr. U. Köppen, Leiter der Beringungszentrale Hiddensee bei einem Besuch am Fangplatz Dreba, 4 km SW, anlässlich des Fachkolloquiums in Jena
Erstfang im Berichtsjahr, der kleinste Vertreter unserer Schnepfenvögel, Lymnocriptes minimus, gefangen und beringt am 14.10.2017.
Erstfang im Berichtsjahr, der kleinste Vertreter unserer Schnepfenvögel, Lymnocriptes minimus, gefangen und beringt am 14.10.2017.

Kontakt

NABU Arbeitskreis
Teichgebiet Dreba-Plothen e.V.

Ortsstr. 62
07806 Dreba

info{at}nabu-dreba.de

Tel: 0152 26 25 39 29


 

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