WWI-Bericht 2014

Durchführung eines Monitoring zur Phänologie der Wat- und Wasservögel unter Anwendung der Vogelberingung im Naturschutzgebiet „Dreba- Plothener Teichgebiet“

Jürgen Auerswald

1. Allgemeines


Das spezielle Beringungsprogramm wurde wieder nach den Vorgaben der Beringungszentrale Hiddensee mit Uferreusen durchgeführt. Mit dem Monitoring ist es möglich, neben der Beringung einen entscheidenden Beitrag zur Avifauna, besonders der wertgebenden Vogelarten, zu erbringen.

Das Jahr 2014 war geprägt von Wassermangel, sodass ein Großteil der Teiche im Gebiet keinen Vollstau erreichte. Die vielerorts entstandenen Flachwasserzonen begrünten durch den hohen Nährstoffgehalt relativ schnell und boten gute Versteckmöglichkeiten der Rastvögel, was die kontinuierliche Erfassung des gesamten Zuggeschehens zunehmend erschwerte. Außerdem verringerte sich der Fangerfolg durch die so entstandenen Rastplatzangebote im gesamten Teichgebiet.

Die Fangperiode im Frühjahr begann am 04.05. und endete am 22.05. 2014.
Am 16.07. waren die Reusen für die Erfassung des Wegzuges fangbereit und wurden bis 19.10.2014 kontrolliert. Aus der 114 tägigen Fangperiode resultieren 67 effektive Fangtage.

In Vorbereitung der Wegzugperiode wurde Mitte Juli der Wasserstand der TGA 3 abgesenkt und .12 Uferreusen platziert. Im Gegensatz zum Vorjahr, wo dieses Becken kaum von den Durchzüglern genutzt wurde, rasteten hier im Bearbeitungsjahr verschiedene Regenpfeifer und Schnepfenvögel. Die stärkere Frequentierung des Gewässers durch die Limikolen dürfte auf das bessere Nahrungsangebot, durch zunehmende Muschelkrebsbestände zurück zuführen sein.
Die Fläche in der TGA 4, wo im Jahr 2013 eine Teilentlandung mit Hilfe des Pistenpullis vorgenommen wurde, trocknete durch den Wassermangel in diesem Jahr stark aus, wodurch es zur Einschränkung des Rasthabitats durch fehlend frische, nahrungsreiche Schlammflächen für die Schnepfenvögel kam. Deshalb waren die hier aufgestellten Uferreusen phasenweise „außer Betrieb“.
Im Gegensatz dazu verhinderten wiederholte Niederschläge Mitte/Ende September die Fangtätigkeit, da die Fanggeräte unter Wasser standen.

Durch den Fang von Altvögeln sowie Jungvögeln unterschiedlichen Alters von Wasser- und Tüpfelrallen liegen wieder sichere Brutnachweise vor. Ein erneuter Beweis, wie Vogelarten die relativ versteckt im Röhricht leben, durch die Beringungsarbeit zu aktuellen Ergebnissen der Avifauna führen.

2. Phänologie und Rastbestandsentwicklung


Der Heimzug begann am 24.04. und endete am 19.05.2014.
Die erste Beringung wurde am 04.05., die letzte im Frühjahr am 16.05. 2014 vorgenommen.

Wegzugbeginn war am 29.06. und dieser hielt bis Ende Oktober/Anfang November an.
In dieser Phase wurde am 17.07. 2014 der erste Vogel aus den Fanggeräten, der letzte am 17 10. 2014 entnommen.

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Positiv zu vermerken ist der höhere Durchzug der Art gegenüber dem Vorjahr.
Die Fangergebnisse während des Herbstzuges wurden in der Zeit zwischen 18.07. bis 15.09. an 25 effektiven Tagen erreicht.
Der Anteil der Altvögel während des Herbstzuges betrug mit 28 Ind. ca. 25 %, 75 % = 80 Ind. fielen auf die Jungvögel. Von 9 Bruchwasser- läufern liegen zur Altersbestimmung keine Angaben vor.
Juvenile traten bereits am 22.07. auf.
Maximal wurden im Monat Juli 15 diesjährige Bruchwasserläufer (29.07.) und am 10. August 11 diesj. Ind. gefangen.
Der letzte Altvogel wurde am 01. Aug. beringt.

Bekassine Gallinago gallinago

Das Zuggeschehen der Bekassine war recht unspektakulär bei geringeren Rastbeständen als 2013. Die Erfassung der Art ist in diesem Jahr besonders erschwert, da, wie schon erwähnt durch Wassermangel weitaus mehr Flachwasserbereiche existierten. Die Darstellung der „wahren“ Größenordnung ist daher nicht möglich, da sich in der Regel ein Großteil der Individuen zur Nahrungsaufnahme oder Rast in den genannten Feuchtlebensräumen aufhält, die durch zunehmende Vegetationsentwicklung beste Deckungsmöglichkeiten bieten.
Maximal wurden 5 Bekassinen an einem Tag gefangen und beringt.
Der Anteil der Nominatform, die mit 14 Schwanzfedern angegeben wird, betrug 95,6%, acht Bekassinen hatten 12 Schwanzfedern (4,4%).

Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago nach der Beringung 2014
Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago nach der Beringung 2014

Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus

Das Zuggeschehen dieser kleinen Schnepfenart lässt sich nur aus den Beringungsdaten darstellen, da es nur einen Beobachtungsnachweis gibt. Alle Nachweise wurden im Herbst erbracht.

Phänologie des Grünschenkels, Tringa nebularia 2014 im Untersuchungsgebiet.
Phänologie des Grünschenkels, Tringa nebularia 2014 im Untersuchungsgebiet.

Auffällig war der verstärkte Herbstzug des Grünschenkels, wenn es auch nicht gelang, T. nebularia für Beringungszwecke zu fangen.

2.1. Eigener Langzeitwiederfang:

Es kam zu vier längerfristigen Kontrollfängen.
Ein Flussuferläufers mit der Ring- Nr. OB 45959 wurde am 21. Juli, 14.00Uhr am Beringungsort wieder gefangen.
Der Ring wurde dem Jungvogel am 10. August 2009 angelegt und war damit älter als 5 Jahre.

Zwei weitere interessante Wiederfänge betreffen die Bekassine.
Die Erstberingung mit dem Ring NA 131524.als diesjähriger Vogel datiert vom 15. August 2010.
Die Ringkontrolle erfolgte am Beringungsort am 03. Okt. 2014, nach 1510 Tagen.

Eine weitere Bekassine mit der Ring Nr. NA 122736 wurde nach 2191 Tagen, am 12. Okt. 2014 gefangen. Die Beringung erfolgte genau vor 6 Jahren, am 12. Okt. 2008.
Dieser erneute Nachweis der Schnepfenvögel am Beringungsort bestätigt die Herausbildung einer Rastplatztradition in unserem Teichgebiet.
Umso wichtiger ist die Fortführung der Bereitstellung von Rast- und Nahrungsflächen, die in dem zu erarbeitenden Managementplan
 als extentielle Forderung Aufnahme finden muss.

2.2 Eigene Kurzzeitwiederfänge:

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Es gelangen folgende 27 Wiederfänge:

nach 1. Tag = 14 Kontrollfänge
nach 2. Tag =   2 Kontrollfänge
nach 3. Tag =   2 Kontrollfänge
nach 4. Tag =   4 Kontrollfänge

nach 5. Tag =   1 Kontrollfänge
nach 6. Tag =   2 Kontrollfänge
nach 8. Tag =   2 Kontrollfänge

Daraus ergibt sich eine Verweildauer von Ø 3 Tagen der kontrollierten Bruchwasserläufer.

Wasserrallen wurden 6, 13, 19 und 22 Tage nach der Beringung wiedergefangen und kontrolliert.
Zwei Wiederfänge gelangen von einer Tüpfelralle nach 2 und 56 Tagen.

 

3. Beringungsergebnisse

Art Anzahl
Alpenstrandläufer Calidris alpina  3
Bekassine Gallinago gallinago 35
Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus 2
Waldwasserläufer Tringa ochropus 17
Bruchwasserläufer Tringa glareola 117
Kampfläufer Phylomachus pugnax 5
Rotschenkel Tringa glareola 1
Flußregenpfeifer Charadrius dubius 11
Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula 4
Flußuferläufer Actitis hypoleucos 6
Sichelstrandläufer Calidris ferruginea 1
Temminkstrandläufer Calidris temminckii 3
Zwergstrandläufer Calidris minuta 1
Wasserralle Rallus aquaticus 14
Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana 3
Krickente Anas crecca 8
Stockente Anas platyrhynchos 23
Tafelente Aythya ferina 1
Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus 2
Gebirgsstelze Motacilla cinerea 1
Wiesenschafstelze Motacilla flava 8
Bachstelze Motacilla alba 36
Beutelmeise Remiz pendulinus 1
Rohrammer Emberiza schoeniclus 7
  320

 

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 320 Vögel in 24 Arten beringt.

Kontakt

NABU Arbeitskreis
Teichgebiet Dreba-Plothen e.V.

Ortsstr. 62
07806 Dreba

info{at}nabu-dreba.de

Tel: 0152 26 25 39 29


 

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