WWI-Bericht 2016

Sachstandsbericht 2016

Durchführung eines Monitoring zur Phänologie der Wat- und Wasservögel unter Anwendung der Vogelberingung im Naturschutzgebiet „Dreba- Plothener Teichgebiet“

Markierunsprogramm Limikolen 2016

Jürgen Auerswald

Wasserralle Rallus aquaticus, ad. Männchen 19. September 2016, in der TGA.
Wasserralle Rallus aquaticus, ad. Männchen 19. September 2016, in der TGA.

Herkunft, Phänologie und Zugziele der in Thüringen im Jahreslauf auftretenden Limikolenarten

Initiator(en): BZ Hiddensee, Dr. U. Köppen, J. Auerswald, Dreba

Gebiet: Plothener Teiche, Saale–Orla-Kreis

Zeitraum: in Nachfolge des WWI-Projektes* (1995-2006): 2016 – 2020, Verlängerung ergebnisabhängig.

 

Vorbemerkung:

Die Vogelberingung von Limikolen, die wir nach Anfrage der Vogelwarte Hiddensee im Rahmen des länderübergreifenden NABU- Projekts WWI seit 1996 unterstützten, wurde nach 10 Jahren Laufzeit beendet. Danach wurde das Monitoring unter Beibehaltung der fachlichen Aufgabenstellung bis 2015 quasi in „Einzelinitiative“ in Thüringen fortgeführt.

Im Jahr 2016 mussten alle Beringer in Thüringen einen Antrag zur Neuerteilung der Beringungsgenehmigungen beim Thüringer Landesverwaltungsamt (TLVwA) stellen. Aus der Sicht dieser Behörde war die Fortführung des WWI Programms demzufolge gegenstandslos. Da die bisherigen Ergebnisse jedoch eine unerlässliche Datenbasis für den Naturschutz sind und der kontinuierliche Limikolenfang nur noch in unserem Teichgebiet durchgeführt wird, besteht seitens der Vogelschutzwarte Seebach sowie der Beringungszentrale großes Interesse an der Fortführung desselben. Deshalb formulierte der Leiter der Vogelwarte Dr. U. Köppen ein neues „Markierungsprogramm für Limikolen“ in Nachfolge des WWI-Projektes (1995-2006) für eine Laufzeit von 5 Jahren (2016 – 2020, Verlängerung ergebnisabhängig). Der entsprechende Bescheid von der zuständigen Genehmigungsbehörde ging am    2016 ein. Durch die bis dato bestehende Unsicherheit waren noch keine Reparaturarbeiten an den Uferreusen erfolgt und die Auftragsvergabe zur Herstellung notwendiger neuer Ersatzteile erfolgte verspätet. Deshalb kam es im Frühjahr nicht zur Fangtätigkeit während des Heimzuges.

 

1. Fangzeit

Die Vogelberingung von Limikolen, die wir nach Anfrage der Vogelwarte Hiddensee im Rahmen des länderübergreifenden NABU- Projekts WWI seit 1996 unterstützten, wurde nach 10 Jahren Laufzeit beendet. Danach wurde das Monitoring unter Beibehaltung der fachlichen Aufgabenstellung bis 2015 quasi in „Einzelinitiative“ in Thüringen fortgeführt.

Im Jahr 2016 mussten alle Beringer in Thüringen einen Antrag zur Neuerteilung der Beringungsgenehmigungen beim Thüringer Landesverwaltungsamt (TLVwA) stellen. Aus der Sicht dieser Behörde war die Fortführung des WWI Programms demzufolge gegenstandslos. Da die bisherigen Ergebnisse jedoch eine unerlässliche Datenbasis für den Naturschutz sind und der kontinuierliche Limikolenfang nur noch in unserem Teichgebiet durchgeführt wird, besteht seitens der Vogelschutzwarte Seebach sowie der Beringungszentrale großes Interesse an der Fortführung desselben. Deshalb formulierte der Leiter der Vogelwarte Dr. U. Köppen ein neues „Markierungsprogramm für Limikolen“ in Nachfolge des WWI-Projektes (1995-2006) für eine Laufzeit von 5 Jahren (2016 – 2020, Verlängerung ergebnisabhängig). Der entsprechende Bescheid von der zuständigen Genehmigungsbehörde ging am    2016 ein. Durch die bis dato bestehende Unsicherheit waren noch keine Reparaturarbeiten an den Uferreusen erfolgt und die Auftragsvergabe zur Herstellung notwendiger neuer Ersatzteile erfolgte verspätet. Deshalb kam es im Frühjahr nicht zur Fangtätigkeit während des

Heimzuges.

2. Phänologie und Rastbestandsentwicklung

Die ersten Kiebitze traten, bedingt durch den bekannten Zwischenzug der Jungvögel, ab 10. Juni im Gebet der Kohlung auf. Die Truppstärke lag zwischen 10 und 13 Ind., womit sich die negative Entwicklung auch in diesem Jahr weiter fortsetzte. Erste Zugbewegungen durch je 2 Bruchwasserläufer und 2 Kampfläufer waren Ende Juni und zwar am 26. d. M. zu beobachten.

Diesen folgten am 29. die Flussregenpfeifer und einen Tag später traten die ersten Waldwasserläufer auf. Die ersten Beringungen von 6 Bruchwasserläufern und 1 Waldwasserläufer erfolgten am 04.07. 2016. 

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Die ersten Bruchwasserläufer gingen am 04.Juli ins Netz und bestanden erwartungsgemäß aus Altvögeln. Am 03. Aug. die letzte Beringung eines ad. Bruchwasserläufers, was einem normalen Durchzugsmuster in unserem Untersuchungsgebiet entspricht. Der erste Jungvogel wurde am 22. Juli beringt. Damit wird die Überschneidung der unterschied- lichen Altersklassen während des Wegzuges deutlich.

 

Phänologie Bruchwasserläufer, Tringa glareola nach der Beringung 2016
Phänologie Bruchwasserläufer, Tringa glareola nach der Beringung 2016

Der Hauptdurchzug diesjähriger Vögel liegt in der 1. Aug. Dekade. Maximal kam es zu acht Tagesfängen (01.08.). Mitte August war der Durchzug im Wesentlichen praktisch abgeschlossen. Letzter Beringungstag von 2 Ind. dieser Tringa-Art war der 10. Sept. 2016.

 

 

Bekassine Gallinago gallinago

Der Herbstzug war eher zögerlich und fiel schwach aus. Dazu fehlten optimale Rastbedingungen bedingt durch den warmen Sommer und fehlende Niederschläge. Eine Vielzahl besonders größerer Gewässer im Teichgebiet waren nur ungenügend bespannt und durch den aufkommenden Bewuchs wird sich so manche Schnepfe den Augen des Beobachters entzogen haben.

Zwischen Ende Juni und Ende Juli lagen die Rastzahlen nur im niedrigen einstelligen Bereich, was sich im Aug. auch nicht änderte. Da erschienen 23 aufsteigende Ind., die E. Lux und D. Drehmann am 01. Sept. nahe der Reusen erfassten, schon außergewöhnlich. Bis Ende des Monats wurden keine zweistelligen Zahlen weiter erreicht!

Zu größeren Tagesfängen kam es nicht. Maximal wurden 4 dj. Bekassinen an einem Fangtag aus den Reusen entnommen und beringt.

Der Anteil der Nominatform, die mit 14 Schwanzfedern angegeben wird, betrug 72 %, vierundzwanzig Bekassinen hatten 12 Schwanzfedern, sowie 1x9 und 1x13. 

Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago nach der Beringung 2016
Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago nach der Beringung 2016

Ungewöhnlich war das verstärkte Auftreten der Sandregenpfeifer und der Flussuferläufer, die Anzahl der Beringungen ist das Maximum seit der Limikolenberingung im Gebiet.

Von der Wasserralle liegen 8 Fänge von Altvögeln vor, die fast ausschließlich der Brutzeit zuzuordnen sind, Jungvögel wurden 42 beringt. Von drei Rallen wurden keine Altersangaben notiert.

 

3. Wiederfänge

 

3.1. Eigene Langzeitwiederfänge:

Bekassine Gallinago gallinago

Am 10. Sept. 2016 trat NA 133684 nach 348 Tagen erneut am Beringungsort auf, woraus Ortstreue zu schließen ist.

Ein Flussuferläufer mit der Ring Nr. OB 59765 wurde am 27. Juli am BO wieder gefangen. Die Erstberingung erfolgte auf den Tag genau am 27. Juli 2014.

 

3.2 Eigene Kurzzeitwiederfänge

Bekassine Gallinago gallinago

Kontrollfänge liegen nach 2, 2x3, 4, 6, 2x8, 10 12, 17, 23, 28 und 36 Tagen vor. Der Vogel mit der Ring-Nr. NA 122570 wurde nach 8 und 31Tagen erneut abgelesen.

 

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Insgesamt liegen 16 Wiederfänge am Beringungsort vor, die sich nach Tagen wie folgt verteilen: 0, 2x1, 3x2, 3, 4x4, 5, 3x6, 8.

Der tägliche Wiederfang eines Bruchwasserläufers nach 2 bis 6 Tagen im Anschluss an die Beringung belegen, dass die Vögel in der Uferreuse offensichtlich keine „Gefahr“ sehen.

 

Alpenstrandläufer Calidris alpina

Ein Wiederfang einen Tag nach der Beringung in der gleichen Reuse sowie ein weiterer Alpenstrandläufer konnte 18 Tage nach der Beringung kontrolliert werden. Dieser Vogel wurde an der Beringungsstation nach der Erstberingung frei gelassen und an dem ersten Fangort wieder gefangen.

 

Zu drei Wiederfängen von Sandregenpfeifern Charadrius hiaticula kam es zwischen 1 bis 3 Tagen.

 

Wasserrallen Rallus aquaticus wurden nach 4, 6, 10, 12, 13, 14, 15, 17, 22, 38 und 41 Tagen nach der Beringung kontrolliert.

 

Nicht unerwähnt sollen folgende Gewichtsangaben einer diesjährigen Wasserralle bleiben. Der Vogel hatte bei der Beringung ein Gewicht von 48 Gramm.

Nach den Aufzeichnungen zum Wachstum durch HEINROTH (1968) war das Küken somit etwa 10-12 Tage alt. 45 Tage später zeigte die Waage 107,9 Gramm an. Ein erneuter Wdfg. 9 Tage später erbrachte 116 Gramm. Damit war der Vogel praktisch erwachsen. Zwei Weibchen wogen am Tag der Beringung 106,2 bzw. 108,4 Gramm.

 

Zwei Wiederfänge gelangen von Tüpfelrallen Porzana porzana  nach 2 und 33 Tagen.

 

3.3 Fremder Wiederfang

Eine Lachmöwe Larus ridibundus (dj.) mit der Ring Nr. ES44.144 281 N. MUSEUM PRAHA wurde am 20.07.2016 kontrolliert. Damit wurde in 20 Jahren erstmals ein beringter Vertreter von Larus aus einer Reuse entnommen.

4. Beringungsergebnisse

Art Anzahl
Alpenstrandläufer Calidris alpina 10
Sichelstrandläuifer Calidris ferruginea 2
Bekassine Gallinago gallinago 73
Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus 1
Kampfläufer Phylomachus pugnax 5
Rotschenkel Tringa totanus 5
Waldwasserläufer Tringa ochropus 24
Bruchwasserläufer Tringa glareola 89
Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula 13
Flußregenpfeifer Charadrius dubius 6
Kiebitz Vanellus vanellus 2
Steinwälzer Arenaria interpres 1
Flußuferläufer Actitis hypoleucos 21
Temminckstrandläufer Caladris temminckii 2
Zwergstrandläufer Calidris alpina 1
Wasserralle Rallus aquaticus 54
Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana 6
Teichhuhn Gallinula chloropus 3
Bleßhuhn Fulica atra 1
Krickente Anas crecca 14
Stockente Anas platyrhynchos 62
Knäkente Anas querquedula 3
Spießente Anas acuta 1
Reiherente Aythia fuligula 1
Schilfrohrsänger Acrocephalus schoenobaenus 3
Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus 2
Drosselrohrsänger Acrocephalus arundinaceus 2
Wiesen-Schafstelze Motacilla flava 40
Wiesenpieper Anthus pratensis 3
Gebirgsstelze Motacilla cinerea 1
Bachstelze Motacilla alba 35
Blaukehlchen Luscinia svecica 1
Braunkehlchen Saxicola rubetra 1
Beutelmeise Remiz pendulinus 2
Rohrammer Emberiza schoeniclus 4

 

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 494 Vögel in 35 Arten beringt.

 

Dank

Für die erneute Unterstützung bei der Vorbereitung des Fangplatzes und der erforderlichen Reusenkontrollen selbst ist folgenden Beringern und Beringungshelfern herzlich zu danken: Enrico Lux, Doreen Dremann, Nadine Schwesig, Reinhard Schwesig, Bernd Rebhan, Kai Rebhan, Anja Rügauf, Frank Seidemann, Siegmar Dietzel, Horst Nagler, Dr. Volker Vopel, Manfred Pätzold, Peter Zörner.

Ein besonderer Dank gilt Familie Conny Stöhr aus Wannweil, (BW) die wieder nahe des Fangplatzes in der Finkenmühle Quartier bezogen hatten, um das Fangprojekt ganztägig für 5 Tage abzusichern.

An dieser Stelle sei dem Metallbau Oberland herzlich für das Sponsoring von Drahtrahmen für unsere Reusen gedankt.

 

Literatur

HEINROTH, O. (1968): Die Vögel Mitteleuropas III. Band - URANIA VERLAG 

 

 

Rast und Nahrungssuche eines Sandregenpfeifers und Alpenstrandläufers. 

Fotos: 04.Oktober 2016  W. Wille

 

Schirm- und Schwanzfedern einer Bekassine mit typischen Merkmalen eines dj. Vogels.

 

Familie Stöhr beim Umsetzen einer Uferreuse nach verändertem Wasserstand.
Familie Stöhr beim Umsetzen einer Uferreuse nach verändertem Wasserstand.

Kontakt

NABU Arbeitskreis
Teichgebiet Dreba-Plothen e.V.

Ortsstr. 62
07806 Dreba

info{at}nabu-dreba.de

Tel: 0152 26 25 39 29


 

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