WWI-Bericht 2015

Sachstandsbericht 2015 

Durchführung eines Monitoring zur Phänologie der Wat- und Wasservögel unter Anwendung der Vogelberingung im Naturschutzgebiet „Dreba- Plothener Teichgebiet“

Jürgen Auerswald


1. Allgemeines

Der Fang und die Markierung der Wat -und Wasservögel mit Uferreusen wurde wieder nach den Vorgaben der Vogelwarte Hiddensee durchgeführt. Neben der Beringung wird mit dem Monitoring ein entscheidender Beitrag zur Avifauna und des Europäischen Vogelschutzgebietes Plothener Teiche (SPA) erbracht.

Wie das Vorjahr prägte Wassermangel das Jahr 2015. Der traditionelle Fangplatz in der Teichgruppe A, Becken 4 (TGA 4) erfüllte demzufolge nicht die optimalen Habitatansprüche für die erwarteten Durchzügler. Auch die Rallen, speziell Wasser- und Tüpfelralle blieben dem Lebensraum zunächst weitgehend fern, Ende April wurden lediglich erste Ankömmlinge erfasst.


Insgesamt blieb der Fangerfolg unter dem Niveau der letzten Jahre und wurde zeitweise ausgesetzt, weil die starke Trockenheit dem Boden auf weiten Flächen die Feuchtigkeit entzog. Mitte August kam es dann zu Niederschlägen von 70l/m². Der wegen Bauarbeiten trocken liegende Teichadensteich „profitierte“ von der kurzen Regenperiode mit einem entsprechenden Wasseranstau, sodass sich hier rastende Tringa-Arten einstellten, die es an diesem Gewässer so noch nicht gab. Zu einer Optimierung der Habitatflächen kam es in der TGA. Die 2013 durch Teilentlandung geschaffene Freifläche von Großröhrichten wurde im 17. September durch Wasserzuführung aus dem darüber liegenden Gewässer vernässt. Infolgedessen wurden diese Sekundärbiotope von Bekassinen und Zwergschnepfen überraschend stark frequentiert, was sich auf die Fangzahlen auswirkte.

Die Fangperiode im Frühjahr begann am 19.05. und damit 14 Tage später wie 2014 und endete am 22.05. 2015. Ab 14.07. bis 13.10.2015 waren die Reusen für die Erfassung des Wegzuges im Herbst fangbereit und wurden regemäßig kontrolliert. Aus der 91 tägigen Fangperiode resultieren 59 effektive Fangtage.


Durch den Fang von Alt- sowie Jungvögeln unterschiedlichen Alters liegen wieder Brutnachweise von Wasser- und Tüpfelrallen vor. Ein erneuter Beweis, wie Vogelarten die relativ versteckt im Röhricht leben, durch die Beringungsarbeit zu aktuellen Ergebnissen der Avifauna führen.

2. Phänologie und Rastbestandsentwicklung

Der Heimzug begann am 07.04. und endete am 28.05.2015. Die erste Beringung wurde am 27.04.2015 durch den Fang einer Wasserralle in der TGA vorgenommen, Limikolen fanden hier aus den o. g. Gründen kaum Rastmöglichkeiten.


Wegzugbeginn war am 21.06. und dieser hielt bis 13.10.2015 an. Am 17.07. 2015 erfolgte die erste Beringung eines Walwasserläufers, der letzte Vogel wurde am 13 10. 2015 bei plötzlich auftretenden Schneefällen aus einer Reuse entnommen.

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Die Fangergebnisse während des Jungvogelzuges stammen nur vom 17./18.08.2015 sowie noch ein diesjähriger Vogel am 24.09.2015. Außergewöhnlich der späte Fang eines adulten Bruchwasserläufers, der vom 25. Sept. vorliegt. Zum Vergleich der letzte Altvogel 2014 wurde am 01. Aug. beringt.

 

Bekassine Gallinago gallinago

Das Zuggeschehen der Bekassine war zunächst sehr verhalten. Durch die schon erwähnten Witterungsbedingungen verteilten sich dazu noch die Rastbestände auf anderwärts liegende Rast- und Nahrungsplätze wie z.B. Moosteich, die mit zunehmender Vegetationsentwicklung der Art beste Deckungsmöglichkeiten boten und damit dem Auge des Beobachters entzogen.

Mit einigen Niederschlägen im August änderten sich die Rast- und Nahrungsbedingungen in einem fischwirtschaftlich weitgehend austrocknenden Absetzbecken besonders für die Bekassine im positiven Sinne. In der Folgezeit kam es zu erfreulich hohen Rastzahlen, wie dem Diagramm zu entnehmen ist. Anders als im Vorjahr hielten sich oft Bekassinen in vegetationslosen Bereichen der TGA 7 auf. Bei rechtzeitig erkennbaren Störungen liefen die Vögel rasch in die nahen Pflanzenbe- reiche, die gute Deckung boten. Hier wurden die Vögel, wie aus Gesprächen mit verschiedenen Beobachtern deutlich wurde, schlicht weg übersehen.


Maximal wurden 7 Bekassinen an einem Tag gefangen und beringt. Der Anteil der Nominatform, die mit 14 Schwanzfedern angegeben wird, betrug 87,2%, acht Bekassinen hatten 12 Schwanzfedern (11,8%).

Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago 2015 im Untersuchungsgebiet
Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago 2015 im Untersuchungsgebiet


Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus


Das Vorkommen der Zwergschnepfe war im Bearbeitungsjahr außergewöhnlich, was sich auch in den Beobachtungen widerspiegelt, die im Wesentlichen während der Reusenkontrollen durch auffliegende Vögel erbracht wurden. Zu erwartende Wiederfänge aufgrund der hohen Abundanz liegen jedoch nicht vor. Ein Indiz dafür, dass die erbrachten Nachweise als Mindestwerte zu sehen sind.

Alle Nachweise wurden im Herbst erbracht.

Außergewöhnlich war auch das verstärkte Auftreten der Kampfläufer.

Allerdings bestand keine Fangmöglichkeit, da die Vögel auf einer angrenzenden Fläche der Fischerei rasteten, zu der wir bis dato keinen Zugang hatten.

Den Angaben zur Phänologie liegen demzufolge nur die Sichtnachweise zugrunde, die während der Reusenkontrollgänge erbracht wurden. Der Frühjahrszug lag zwischen 10.04. und 19.05.2015. Ein Trupp von 23 Ind. war das absolute Maximum, wovon ein männlicher Kampfläufer noch intensiv balzte. Der Wegzug begann am 28.06. und letzte Vögel am 02.10.15 beendeten denselben schließlich im Untersuchungsgebiet.

Phänologie des Kampfläufers, Philomachus pugnax 2015 im Untersuchungsgebiet.
Phänologie des Kampfläufers, Philomachus pugnax 2015 im Untersuchungsgebiet.
Phänologie des Grünschenkels, Tringa nebularia 2015 im Untersuchungsgebiet.
Phänologie des Grünschenkels, Tringa nebularia 2015 im Untersuchungsgebiet.

 

2.1. Eigene Kurzzeitwiederfänge:

 

Bekassine Gallinago gallinago

Hier liegt nur ein Kontrollfang 4 Tage nach der Beringung vor.

 

Wasserrallen wurden nach 4, 6, 10, 12, 13, 14, 15, 17, 22, 38 und 41 Tagen nach der Beringung kontrolliert. Ein Altvogel, der am 27.04.2015 beringt wurde und die Brutzeit am Beringungsort verbrachte, konnte am 14.08. d.J. wieder gefangen werden, woraus sich eine Aufenthaltsdauer von 108 Tagen ergibt.

Zwei Wiederfänge gelangen von Tüpfelrallen nach 17 und 38 Tagen.

 

2.2 Fremder Wiederfang

 

Eine Bekassine mit dem Ring Nr. 7319146 MUSEUM PARIS wurde am 17.07.2015 kontrolliert. Damit liegt der zweite Wiederfang eines französischen Ringvogels vor. Die Beringungsdaten gingen noch nicht ein.

3. Beringungsergebnisse

Art Anzahl
Alpenstrandläufer Calidris alpina  1
Bekassine Gallinago gallinago 59
Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus 11
Waldwasserläufer Tringa ochropus 4
Bruchwasserläufer Tringa glareola 22
Flußregenpfeifer Charadrius dubius 3
Wasserralle Rallus aquaticus 20
Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana 5
Kampfläufer Phylomachus pugnax 5
Krickente Anas crecca 6
Stockente Anas platyrhynchos 11
Habicht Acipiter gentilis
1
Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus 2
Bergpieper Anthus spinolette 3
Wiesenpieper Anthus pratensis
3
Gebirgsstelze Motacilla cinerea 3
Wiesenschafstelze Motacilla flava 2
Bachstelze Motacilla alba 35
Blaukehlchen Luscinia svecica
1
Dorngrasmücke Sylvia communis
1
Beutelmeise Remiz pendulinus 1
Rohrammer Emberiza schoeniclus 3
  197

 

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 197 Vögel in 21 Arten beringt.

Kontakt

NABU Arbeitskreis
Teichgebiet Dreba-Plothen e.V.

Ortsstr. 62
07806 Dreba

info{at}nabu-dreba.de

Tel: 0152 26 25 39 29


 

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