WWI-Bericht 2013

Schutz der Feuchtgebiete des Binnenlandes

Ein Beringungsprojekt mit Uferreusen im Naturschutzgebiet „Teichgebiet Dreba- Plothen“ und Flora- Fauna-Gebiet

Sachstandsbericht 2013

Entwicklung von Lebensräumen und Durchführung eines Monitoring zur Phänologie der Wat- und Wasservögel unter Anwendung der Vogelberingung im Naturschutzgebiet „Dreba- Plothener Teichgebiet“

1. Allgemeines

Das spezielle Beringungsprogramm wurde wie bisher mit Uferreusen nach den Vorgaben der Beringungszentrale Hiddensee durchgeführt. Von insgesamt 69 Fangtagen waren 49 Fangtage effektiv.

Das Jahr 2013 war in verschiedener Hinsicht kein gewöhnliches Jahr. Der niederschlagsreiche, lang anhaltende Winter führte zunächst zur Verzögerung des Vogelzuges allgemein.

An den Teichen kam es nach der Schneeschmelze zwangsläufig zur Erhöhung des Wasserstandes, die Großröhrichte standen weiträumig unter Wasser. Dies erklärt das geringere Auftreten der Rallen, die weitgehend ausblieben.

Anthropogenen Einfluß hatte das Vorhaben, einen ersten Abschnitt der mit Rohrglanzgras und Thypa- Beständen einsetzenden Verlandung des Absetzbeckens TGA 4 entgegen zu wirken. Das Rastplatzangebot für Limikolen hatte sich in den letzten Jahren ständig weiter verringert, was auch in den Fangzahlen deutlich wurde.

Unter Einsatz eines Pistenbullys wurde ein vorher ausgewählter Bereich abgesteckt und Ende April einer Teilentlandung unterzogen. Die erforderliche Genehmigung der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde wurde erteilt.

Durch ergiebige Niederschläge im Folgemonat Mai wurde diese Fläche rasch überstaut. Im Rahmen der Entlandungsmaßnahme erfolgte ein Durchstich des sich inzwischen stark entwickelten Landröhrichts zur Ostseite des Gewässers. Dadurch sollte die entstandene bis dato separate Wasserfläche, die auch eine größere Wassertiefe aufweist, mit der ursprünglichen Wasserfläche verbunden werden. So kam es wieder zum Wassersaustausch der geteilten Fläche und zwangsläufig zur Ausbreitung der Invertebraten und auch der Fische in dem Gewässer.

Die Fangperiode im Frühjahr begann am 27.04. bis 09.05. 2013.

Weitere Niederschläge erhöhten die Staumenge und es siedelten sich rasch 5 Paar Zwergtaucher sowie 1 Paar Haubentaucher an. Um die Bruten nicht zu gefährden, wurde der Wasserstand nicht abgesenkt. Anfang August, der eigentlichen Zugzeit der Limikolen wurde der Wasserstand durch mehrfache Begehungen des Beckens mit Wathosen kontrolliert. Der Wasserstand betrug im Durchschnitt 0,50 m, der Uferrand wies kaum relevante Flachzonen auf, die für Limikolen zur Rast und Nahrungsaufnahme nutzbar gewesen wären. Deshalb wurde am 09. August kurzfristig das angrenzende Becken TGA 3 abgelassen, um die erforderlichen Rastbiotope bereit zu stellen. Hier wurden am 18. Aug. acht Uferreusen platziert.

In den Uferrandbereichen der frisch geschobenen Fläche der TGA 4 oder kleinen Erhöhungen des Teichbodenreliefs hielten sich überraschend Bekassinen auf, weshalb hier kurz entschlossen Reusen platziert wurden. Wie richtig diese Entscheidung war, zeigt der Fang mehrerer Bekassinen noch am gleichen Tag. Im Vergleich mit anderen Jahren eines der höchsten Tagesfangergebnisse der Art.

Der naturschutzfachliche Erfolg der durchgeführten Entlandungsmaßnahme war damit offensichtlich. Dagegen war das Fangergebnis auf dem abgelassenen Nachbargewässer in der Folgezeit eher enttäuschend, obwohl für einige Arten besonders Kampfläufer und Grünschenkel positive Durchzugszahlen erfasst wurden. Der Wegzug besonders von Alpenstrandläufern, Sichelstrandläufern, Rotschenkel, Temminkstrandläufern, Zwergstrandläufern sowie Waldwasserläufern fiel äußerst schwach aus. Die Fangergebnisse der Wasserrallen unterschiedlichen Alters bestätigen das erneute Brüten, wenn auch aufgrund der o. g. Ursachen nur in wenigen Paaren.

Noch bedeutender ist der wiederholte Beringungsnachweis vom Tüpfelsumpfhuhn, von dem im Erfassungsjahr bis dato im gesamten Vogelschutzgebiet keine Beobachtungsnachweise vorlagen. Ein erneuter Beleg der Bedeutung der wissenschaftlichen Vogelberingung zum Artennachweis schwer erfassbarer Arten.

 

2. Phänologie und Rastbestandsentwicklung

 

Der erste Heimzügler wurde am 28.04., der letzte am 08.05. beringt.

Mit beginnendem Wegzug konnten am 18.08. 2013 die ersten Vögel aus den Fanggeräten, die letzten am 01 11. 2013 entnommen werden.

 

Bruchwasserläufer Tringa glareola

 

Da die Fangperiode 40 Tage später gegenüber dem Vorjahr begann, sind die Daten nur begrenzt miteinander vergleichbar. Während des Heimzuges 2013 wurden an 7 effektiven Tagen 13 Ind. gefangen.

Durch fehlende Beobachtertätigkeit kann zum Zugbeginn sowie zur Intensität während der Zugperiode keine Aussage getroffen werden.

Maximal wurden 5 diesjährige Individuen am 18. August gefangen. Am 13. Aug. wurde noch ein adulter Bruchwasserläufer gefangen, die ja gewöhnlich vor den Jungvögeln ziehen.

Ein diesjähriger Vogel wurde am 10. Sept. 10 Tage nach der Beringung im gleichen Fangbecken kontrolliert.

Bekassine Gallinago gallinago

 

Die Rastbestände der Bekassine lagen über den Werten der letzten Jahre. Möglicherweise besteht hier ein Zusammenhang mit dem positiven Brutgeschehen in Weißrussland. Nach den Angaben von PAVEL PINCZUCK konnten im Gebiet des Pripjat weit über 1800 Bekassinen gefangen und beringt werden!

Hier der wiederholte Hinweis zum späteren Beginn unserer Fangaktion (18. Aug.), weshalb Daten vom Beginn des Wegzuges fehlen.

Maximal 11 Beringungen am ersten Fangtag!.

Der Anteil der Nominatform, die mit 14 Schwanzfedern angegeben wird, betrug 95,5%, drei Bekassinen hatten 12 Schwanzfedern (4,3%).

Der maximale Gewichtszuwachs einer Bekassine während ihres Aufenthalts betrug 23,7 Gramm, ihr Ankunftsgewicht war 94,5 Gramm. Insgesamt wog der leichteste Vogel 80,3Gramm während ein Maximum von142,5 Gramm nachgewiesen wurde.

 

Von 13 Bekassinen gelangen Kurzzeitwiederfänge, diese nach je 3, 4, 5, 6, 7, 9, 3x10, 13, 15 sowie 23 Tagen. Die längste Rastdauer betrug 34 Tage.

 

2.1. Eigener Langzeitwiederfang:

 

Es kam zum Kontrollfang einer Bekassine am 09. Sept., nachdem diese am 18. Sept. 2011 an dem gleichen Fangplatz beringt wurde. Damit liegt ein erneuter Nachweis von Rastplatztreue vor.

Wegzug- Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago nach der Beringung 2013
Wegzug- Phänologie der Bekassine, Gallinago gallinago nach der Beringung 2013

 

 

 

Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus

 

Während es in den letzten beiden Jahren keine Fangnachweise gab, konnten von dieser kleinsten Schnepfenart 13 Individuen, erstmals 3 davon auf dem Heimzug beringt werden. Das ist zugleich das jährlich höchste Fangergebnis in 17 Jahren!

 

2.2 Eigene Kurzzeitwiederfänge:

 

Eine Wasserralle wurde 8 Tage nach der Beringung kontrolliert.

Drei Wiederfänge gelangen von einer Tüpfelralle nach 8, 12 und 19 Tagen.

 

3. Beringungsergebnisse

 

 

 

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 192 Vögel beringt.

 

Außerdem kam es zu 16 Kontrollablesungen durch Wiederfänge.

Art Summe
Alpenstrandläufer Calidris alpina 3
Bekassine Gallinago gallinago

69

Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus

13

Waldwasserläufer Tringa ochropus

5

Bruchwasserläufer Tringa glareola

17

Kampfläufer Phylomachus pugnax

7

Dunkler Wasserläufer Tringa erytropus

1

Wasserralle Rallus aquaticus

11

Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana 4
Teichhuhn Gallinula chloropus 1
Krickente Anas crecca 4
Stockente Anas platyrhynchos 8
Zwergtaucher Tachybaptus ruficollis 1
Habicht Accipiter gentiles 1
Teichrohrsänger Acrocephalus scipaceus 2
Schilfrohrsänger Acrocephalus schoenobaenus 1
Bergpieper Anthus spinoletta 1
Gebirgsstelze Motacilla cinerea 1
Wiesenschafstelze Motacilla flava 7
Bachstelze Motacilla alba 31
Rohrammer Emberiza schoeniclus 4

Dank: Die Zahl jener, die die Fangaktion förderten, ist im Berichtsjahr

spürbar kleiner geworden. Umso mehr möchte ich all den Aktiven vielmals danken, die das zeitaufwändige Beringungsprogramm noch mal mit viel Engagement unterstützten.

Bekassine
Bekassine

Oft unbemerkt verweilen Bekassinen als Durchzügler im Gebiet, noch seltener ist die kleine Zwergschnepfe anzutreffen. Voraussetzung ist die Bereitstellung von ausreichenden Flach wasserzonen und Schlammbänken durch die Einstellung flexibler Wasserstände. – Eine unabdingbare Forderung, die Aufnahme in den Managementplan finden muss.

Durch Verlust von Nasswiesen und extensivem Feuchtgrünland ist die Bekassine als Brutvogel in unserem Landschaftsraum bereits ausgestorben.

 

Jürgen Auerswald (November 2013)

 

 

Kontakt

NABU Arbeitskreis
Teichgebiet Dreba-Plothen e.V.

Ortsstr. 62
07806 Dreba

info{at}nabu-dreba.de

Tel: 0152 26 25 39 29


 

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