WWI-Bericht 2019

Informationen aus dem Europäischen Vogelschutzgebiet SPA Nr. 39 „Plothener Teiche“  Markierungsprogramm „Limikolen Plothener Teiche“ - Ergebnisse 2019

Jürgen Auerswald

Gesamtansicht des Fangbeckens TGA 3 nach dem entsprechenden Wassermanagement
Gesamtansicht des Fangbeckens TGA 3 nach dem entsprechenden Wassermanagement

Sachstandsbericht zur Vogelberingung der Wat- und Wasservögel 2019

Herkunft, Phänologie und Zugziele der in Thüringen im Jahreslauf auftretenden Limikolenarten

1. Allgemeines

Das Markierungsproramm wurde erneut nach den Festlegungen der Beringungszentrale Hiddensee unter Verwendung von 25 Uferreusen durchgeführt. Durch die Stiftung Naturschutz Thüringen konnten nach Antragstellung im Wege der Projektförderung und nach Erhalt eines Zuwendungsbescheids als Anteilsfinanzierung 10 neue Fanggeräte gefertigt und eingesetzt werden. 

 

Die erforderliche Ausnahmegenehmigung zur Durchführung des Programms gemäß § 26 Abs.1 ThürNatG wurde durch das Thüringer. Landesverwaltungsamt erteilt.

Anfang April wurde der Wasserstand der TGA 3 abgesenkt, um dadurch frische Schlamm- und Nahrungsflächen für die aus dem Winterquartier kommenden Watvögel bereit zu stellen. Das ablaufende Wasser gelangte so in das angrenzende NABU-Pachtgewässer sowie in ein solches der Fischerei mittels Schlauchleitung. Später wurden in Abstimmung mit dem Fischereibetrieb auch 7 Reusen in ein unbewirtschaftetes Gewässer (TGA 7) desselben umgesetzt.

 

Die dortigen spärlich bewachsenen Uferstreifen auch beeinflusst durch die anhaltende Trockenheit, erfüllten die Lebensraumbedingungen des Flussregenpfeifers und ermöglichten eine erfolgreiche Brut. 

 

Zu Beginn des Wegzuges bestand wieder über Wochen anhaltend noch hochsommerliches Wetter. In den Teichen verdunstete das Wasser wieder stark, sodass der Wasserpegel um ca. 40 cm sank, vermehrt fielen Flächen trocken. Besonders am Moosteich mit seinen Flachwasserbereichen kam es dadurch zum verstärkten Auftreten von Limikolen und der Rastbestand der Durchzügler verteilte sich dementsprechend auf verschiedene Gewässer im gesamten Teichgebiet.

 

Ab 14.07. - 23.10. waren die Reusen am Fangplatz fangbereit, 66 Tage waren davon effektiv. 

Bemerkenswert war die lange Aufenthaltsdauer von Grünschenkeln und Kampfläufern.

 

Außergewöhnlich ist das Auftreten der Bekassine im gesamten Teichgebiet zu bezeichnen, was sich auch in den Fangzahlen widerspiegelt, Das Zuggeschehen des Bruchwasserläufers lag dagegen unter dem Durchschnitt der letzten Jahre.

 

Kampfläufer (Philomachus pugnax) aufgenommen am 24.07.2019
Kampfläufer (Philomachus pugnax) aufgenommen am 24.07.2019
Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) am 15.07.2019
Sandregenpfeifer (Charadrius hiaticula) am 15.07.2019

2. Phänologie und Rastbestandsentwicklung

Kampfläufer Philomachus pugnax

Erste Zugbeobachtungen der Kampfläufer im Frühjahr zwischen 17.04. bis 08.05., der Wegzug begann am 27.06. und endete mit 2 Ind. am 21.09.2019. 

Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula

Zwischen 03.08. und 25.09. an 13 Beobachtungstagen zwischen 1 bis 6 Ind., max. am 08.09. 7 Ind. in der TGA 7. 

Was fliegt denn da?     Sandregenpfeifer und Alpenstrandläufer (Bild-Mitte)
Was fliegt denn da? Sandregenpfeifer und Alpenstrandläufer (Bild-Mitte)

Kiebitz Vanellus vanellus

Die ersten Kiebitze traten am 27. Juni im Gebiet Sommergehau /TGA auf. Die Truppstärke des Zwischenzugs lag zwischen 1 und 22 Ind., das Max. im Herbst mit 121 Ind. am 11.10.2019.

Grünschenkel Tringa nebularia

Frühjahrszug vom 25.04. bis 23. 05. mit max.11 Ind.; der Wegzug mit deutlich größerer Ansammlung vom 22.06. bis 16.10. mit einem letzten Einzeltier, max. 12 Ind. am 27.06. und 10.09.

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Schwaches Zuggeschehen insgesamt. Besonders auffällig war das Ausbleiben der Altvögel.

Ende Juli /Anfang August kam es zu einem leichten Zughöhepunkt, den die Jungvögel bildeten. 

 

Der Wegzug insgesamt zwischen 27.06. und 12.10. mit max. 31 Ind. am 04.08. im Gebiet.

Der erste Jungvogel während des Wegzugs ging am 28. Juli, in die „Maschen“ und am 04.08. bereits der erste ad. Bruchwasserläufer.

 

Recht spät und zwar am 19.10. wurde noch ein letzter juv. Vogel gefangen. Oktoberdaten der Art sind selten. 

 

Zu Beringungen kam es an 11 effektiven Tagen.

 

Bekassine Gallinago gallinago

Die Rastbestände der Bekassine sind als überdurchschnittlich zu bezeichnen. 

Phänologie der Bekassine Gallinago gallinago nach der Beringung.

 

Erster Fang einer dj. Bekassine am 03.08. während der erste Altvogel am 17.08. beringt wurde.

 

Ende August /1. Sept. Dek. war ein Durchzugshöhepunkt zu verzeichnen.

Insgesamt wurden 99 Bekassinen beringt. 

 

Maximal 12 Beringungen an einem Fangtag (12.09.2019).

 

57 Bekassinen hatten 14 Schwanzfedern, was der angegebenen Nominatform entspricht, 24 Bekassinen dagegen 12 Schwanzfedern.

 

Der leichteste Vogel (ad.) hatte ein Ankunftsgewicht am 09.09. von nur 73,7 Gramm. 

Aus n=93 ergab sich ein Durchschnittsgewicht von 97,1 Gramm. Im Vorjahr betrug das Durchschnittsgewicht 91,9 Gramm, wobei keine Unterschiede der Fangzeiten berücksichtigt wurden. 

 

Das Maximalgewicht einer Bekassine vom 01. 09. betrug 128,3 Gramm. 

 

 

Waldwasserläufer Tringa ochropus

Am 26. Juli erfolgte die erste Beringung eines Jungvogels, während der erste ad. am 18.08. und ein ebensolcher am 09.09. letztmalig beringt wurde.

Die Art trat an 27 Beobachtungstagen am Fangplatz mit insgesamt 78 Ind. auf, von denen 14 Ind. beringt wurden. 

Waldwasserläufer Tringa ochropus dj., 25.07.2019.
Waldwasserläufer Tringa ochropus dj., 25.07.2019. Beachte die Schnabelform!

3. Eigene Kurzzeitwiederfänge

Es gelangen insgesamt 31 Wiederfänge.

 

Bekassine Gallinago gallinago

Von 12 Bekassinen gelangen Kurzzeitwiederfänge, diese nach je 3x1, 2x5, 7, 2x8, 2x12, 13 und 27 Tagen. 

 

Erwähnenswert ist der Ringfund NA 191000 in einem Gewölle, welches A. Rügauf am 19.10.2019 auf dem Teichdamm der TGA fand. Die Bekassine war am 08.09. 2019 als dj. durch E. Lux beringt worden. Der Speiballen enthielt viele kleine Fischschuppen und wurde Dr. D. von Knorre zur weiteren Untersuchung übergeben. Möglicherweise wurde der Vogel durch einen Reiher erbeutet.

 

Bruchwasserläufer Tringa glareola

Ein Wdfg. nach 7 Tagen

 

Waldwasserläufer Tringa ochropus

Die Art wurde nach 11 und 13 Tagen erneut kontrolliert.

 

Kampfläufer Philomachus pugnax

Ein Wdfg. nach 1 Tag.

 

Flussregenpfeifer Charadrius dubius

Nach 19 und 31 Tagen 3 Kontrollfänge.

 

Flussuferläufer Actitis hypoleucos

Ein Wiederfang nach 1 Tag.

 

Wasserralle Rallus aquaticus

Einzelne Wasserrallen wurden nach 4, 8, 11, 12, 24, 33, 37, 41, 47, 49 und 53 Tagen nach der Beringung am BO kontrolliert. 

 

 

4. Beringungsergebnisse

Art Anzahl
Alpenstrandläufer Caldiris alpina 5
Bachstelze Motacilla alba 60
Bekassine Gallinago gallinago 99
BruchwasserläuferTringa glareola 22
Dorngrasmücke Sylvia communis  3
Drosselrohrsänger Acrocephalus arundinaceus 3
Dunkler Wasserläufer Tringa erythropus 2
Flußregenpfeifer Charadrius dubius 5
Flußuferläufer Actitis hypoleucos 8
Gebirgsstelze Motacilla cinerea 2
Kampfläufer Philomachus pugnax 1
Krickente Anas crecca 3
Lachmöwe Larus ridibundus 1
Reiherente Aythya fuligula 1
Rohrammer Emberiza schoeniclus 1
Rotschenkel Tringa totanus 1
Sandregenpfeifer Charadrius hiaticula 4
Stockente Anas plathyrhynchos 18
Tafelente Aythya ferina 3
Teichhuhn Galinula chloropus 10
Teichrohrsänger Acrocephalus scirpaceus 140
Tüpfelsumpfhuhn Porzana porzana 2
Waldwasserläufer Tringa ochropus 14
Wasserralle Rallus aquaticus 23

Weidenmeise Parus montanus

1

Wiesen-Schafstelze Motacilla flava

42
Zwergschnepfe Lymnocryptes minimus 3

 

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 482 Vögel in 28 Arten beringt.

Kontakt

NABU Arbeitskreis
Teichgebiet Dreba-Plothen e.V.

Ortsstr. 62
07806 Dreba

info{at}nabu-dreba.de

Tel: 0152 26 25 39 29


 

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